• 29. Februar 2012
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Ulli in Philippinen : ein Tag in Offenes Herz

Ulli mit einer Familie in ihrem Haus, das sich unter einer Brücke befindet

Aus­schnitt aus Ulli’s Paten­brief
Offenes Herz Santa Clara - Manila, Phil­ip­pinen - 2006

Um Euch einen bes­seren Ein­blick in unser Leben hier im „Tahanang Puso“ (so nennt sich „Offenes Herz“ hier in Manila, in Tagalog, der Lan­des­s­prache der Phil­ip­pinen, wört­lich über­setzt heißt es „Heim des Her­zens“) zu gewähren, erzähle ich Euch von unserem Tagesab­lauf.

Unser Leben ist auf drei Säulen auf­ge­baut: Leben in der Gemein­schaft, Gebets­leben und Apo­sto­late inner­halb oder außer­halb des Hauses. Jeder dieser Anteile ist sehr wichtig für uns!

Unsere Wecker klin­geln um etwa 6.45 Uhr, und unser Tag beginnt um 7 Uhr (bei Euch ist es gerade Mit­ter­nacht) mit dem Mor­gen­gebet der Kirche, der Laudes. Nachher gibt es Früh­stück. Wir essen fri­sche kleine, süße Bröt­chen („Pan­desal“ genannt), dazu gibt es Erd­nuss­butter oder Kokos­nuss­creme, Kaffee oder Tee.

Nach dem Früh­stück fallen meist Arbeiten im Haus­halt (Spülen, Haus­rei­ni­gung, Wäsche­wa­schen - per Hand- es gehört zur phil­ip­pi­ni­schen Kultur :) oder Erle­di­gungen außer Haus an. Am Vor­mittag hält Jeder von uns eine Stunde Anbe­tung vor dem Aller­hei­ligsten in unserer Kapelle, ent­weder abwech­selnd oder auch gemeinsam. Diese Stunde ist eine der wich­tigsten und auch schönsten Stunden des Tages!

Manchmal begleiten wir vor­mit­tags einen unserer Freunde ins Kran­ken­haus oder auf ein Amt, wo es meist lange War­te­zeiten gibt und wo es den Men­schen oft, auf­grund ihres sozialen Status, sehr schwer gemacht wird.

Zweimal wöchent­lich haben wir am Vor­mittag Unter­richt in der phil­ip­pi­ni­schen Natio­nal­sprache Tagalog, bei Schwester Lea, einer echten Fili­pina! Dies erleich­tert uns das Lernen der Sprache sehr, aber die Fort­schritte halten sich trotzdem in Grenzen! ;-) Es ist auch eine Mög­lich­keit für uns, das Land und die Kultur kennen zu lernen. Die Leute hier sind geduldig und haben eine sehr leben­dige Mimik und Gestik, und beson­ders mit den Kin­dern ist es ein­fach zu kom­mu­ni­zieren. Auf diese Weise können wir, in unserer „Armut“ beim Spre­chen der Sprache, die Armut der Men­schen um uns teilen.

Ein bis zwei Gemein­schafts­mit­glieder sind zu Hause und für das Essen zuständig. Sie besorgen die Lebens­mittel auf den benach­barten, kleinen „Palenkee“ (Markt­ständen) und kochen für die rest­li­chen Gemein­schafts­mit­glieder. Das Haupt­nah­rungs­mittel hier ist Reis, dazu gibt es meist Gemüse aus dem Wok, Fleisch oder Fisch. Wir haben schon ver­sucht, euro­pä­isch zu kochen (z.B. „Kas­knö­del“), was aber auf­grund feh­lender oder recht seltsam schme­ckender Lebens­mittel (überall ist Zucker drin!) nicht leicht ist.

Am Nach­mittag beten wir den Rosen­kranz in Tagalog, im Haus oder auf dem Platz vor dem Haus, meist zusammen mit einigen Kin­dern und Freunden. Nachher teilen wir uns wieder auf. Zwei Mit­glieder der Gemein­schaft bleiben im Haus und emp­fangen dort die Kinder zum Spielen, Lesen, Singen oder Malen, oft helfen die Kinder auch beim Kochen des Abendes­sens. Die anderen Kin­der­freunde gehen, jeweils zu zweit, aus­wärts auf „Apo­sto­lat“: wir besu­chen unsere Freunde, Kinder und ihre Fami­lien in unserer Nach­bar­schaft, in einem Kran­ken­haus der „Mis­sio­na­rinnen der Nächs­ten­liebe“, auf dem Müll­berg, im Gefängnis, andere leben unter der Brücke und im Fisch­hafen. Von diesen Apo­sto­laten und unseren Freunden werde ich Euch in den nächsten Briefen erzählen.

Abends trifft sich die ganze Truppe wieder, und zwar bei der Hl. Messe (in Tagalog) um 18 Uhr in unserer Pfarre „S. Lorenzo Ruiz“. Dabei begleiten uns häufig Kinder unseres Vier­tels, oder wir begegnen ihnen auf dem Weg zur Kirche. Nach der Messe ist es bereits finster, wir gehen gemeinsam nach Hause.

Nach der Vesper, dem Abend­gebet der Kirche, essen wir zusammen. Die Mahl­zeiten sind auch immer wich­tige Momente, um den ver­gan­genen Tag zu bespre­chen (in der Gemein­schaft wird eng­lisch gespro­chen) und um die Erfah­rungen, die wir mit unseren Freunden gemacht haben, aus­zut­au­schen, sowie um den Plan für den nächsten Tag zu bespre­chen.

Nach dem gemein­samen Abwasch schließen wir den Tag mit einem Nacht­gebet ab, um Gott und ein­ander zu danken, um IHN und uns gegen­seitig um Ver­ge­bung zu bitten.

Nach der abend­li­chen „Dusche“ (mit einem großen Eimer Wasser und einem klei­neren „Hafele“ ) endet unser Tag meist gegen 23 Uhr.

Von Montag Mittag bis Dienstag Mittag ist unser freier Tag. An diesem Tag halten wir uns meist außer­halb des Vier­tels auf, oft im Haus der befreun­deten „Colomban Fathers“, wo man uns stets sehr freund­lich auf­nimmt! Hier gibt es die Mög­lich­keit zum Ruhen, Schwimmen, Lesen, Fern­sehen, Sich- Aus­tau­schen mit Pries­tern aus aller Welt, die schon lange auf den Phil­ip­pinen leben...

Dies ist in etwa der Ablauf unserer Tage und unserer Woche.


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